Der Bebauungsplan zur Umgestaltung der Bismarck- und der Erlanger Straße stellt für Bayreuth einen Quantensprung in der Stadt- und Verkehrsplanung dar. Mit dieser Planung wendet die Stadtverwaltung bewährte Ansätze und Methoden zur Weiterentwicklung und Stärkung eines zentralen Wohnquartiers in Bayreuth an.
1.) Mobilität & Teilhabe für alle
Die Planung berücksichtigt die Verkehrsbedürfnisse von allen Verkehrsteilnehmenden und sorgt für eine faire Aufteilung des Verkehrsraums zwischen den Verkehrsmitteln. Dabei werden die Mobilitätsbelange von allen, den Anwohnerinnen und Anwohnern der umliegenden Straßen und Stadtteile und den Menschen aus den Gemeinden des Landkreises berücksichtigt. Durch die Verringerung auf einen Fahrstreifen für den Kraftfahrzeugverkehr findet gegenüber dem Status Quo verkehrswissenschaftlich nachgewiesen keine Verschlechterung der Verkehrsqualität statt. Gleichzeitig finden für den ÖPNV, für den Radverkehr und für Fußgängerinnen und -gänger umfassende Verbesserungen statt.
2.) Verbesserung der Verkehrssicherheit
Im betroffenen Gebiet gab es in den letzten drei Jahren schwere Verkehrsunfälle, davon einer tödlich. Nur in der Bismarckstraße ist eine Radverkehrsanlage vorhanden, die allerdings nicht mehr dem technischen Regelwerk entspricht. Auch die Gehwege sind sehr schmal und die zweispurigen Fahrbahnen sind für Fußgängerinnen und -gänger nur erschwert zu überwinden. In der Erlanger Straße müssen mehrere Eingangsbereiche von Gebäuden aufgrund von Verkehrsunfällen im Schnitt alle zwei Monate erneuert werden. Durch die Planung der Stadt gelingt hier eine deutliche Verbesserung der allgemeinen Verkehrssicherheit.
3.) Verbesserungen für Schule, Kita, Kirche & Stadtfriedhof
In der Bismarckstraße befindet sich mit der Luitpold-Grundschule ein wichtiger Schulstandort mit ca. 340 Schülerinnen und Schülern. Diese profitieren direkt durch breitere und sichere Schulwege zu Fuß und mit dem Rad bzw. durch Verbesserungen im Busverkehr. Auch weitere stark frequentierte Orte wie die Evangelisch-reformierte Kirche mit angeschlossenem integrativem Kindergarten und der Stadtfriedhof profitieren von der besseren und sicheren Anbindung gerade auch für Fußgängerinnen und -gänger.
4.) Gesundheit & Lebensqualität der Anliegerinnen und Anlieger
Straßenverkehr macht krank. Insbesondere die zweispurigen Fahrbahnen verleiten im Stadtverkehr zu unnötigen Überholmanövern mit überhöhter Geschwindigkeit und zusätzlichem Lärm. Durch die Umstellung auf einspurige Fahrstreifen entstehen mit Grünstreifen, Fuß- und Radwegen zusätzliche Pufferzonen gegenüber dem motorisierten Verkehr. Mehr Abstand zu den Fenstern und Wänden bedeutet auch eine Verringerung der Lärmbelastung. Der durch die Stadt Bayreuth vorgelegte Bebauungsplan erhält annähernd alle Parkplätze und schafft zusätzlich Ladezonen für Lieferdienste der lokalen Gewerbebetriebe.
5.) Attraktive & grüne öffentliche Räume
Die Gesamtmaßnahme ermöglicht eine Erhaltung und Ergänzung bestehender Grünflächen und Straßenbäume und verbessert die Attraktivität des öffentlichen Raums. Auch schmale und kleinräumige zusätzliche Grünanlagen sorgen für eine Verbesserung der Aufenthaltsqualität für Anwohnerinnen und Anwohner oder Verkehrsteilnehmende zu Fuß oder mit dem Fahrrad. Insbesondere in den Bereichen Freiheitsplatz, Siebener Platz, Bismarckstr./Wittelsbacherring und in der Erlanger Straße auf Höhe des Stadtfriedhofs sind neue Stadtbäume und Grünflächen geplant.
6.) Pünktlicher und barrierefreier Busverkehr
Mit dem vorgelegten Bebauungsplan wird der städtische Busverkehr pünktlicher und zuverlässiger. Durch die flächendeckende Einrichtung einer Busbeschleunigung profitieren auch die Fahrgäste des ÖPNV durch verringerte Verspätungen und eine Gewährleistung der Umsteigeknoten ZOH und Hauptbahnhof. Die Bushaltestellen im Verlauf von Erlanger- und Bismarckstraße werden alle barrierefrei ausgebaut und ermöglichen damit auch mobilitätseingeschränkten Fahrgästen die Mitfahrt. Durch die modernen Haltestellen direkt an der Fahrbahn (sogenannten „Buskaps“) wird auch die Haltezeit an den Haltestellen verkürzt.
7.) Sichere und bequeme Fußwege und Gehwegflächen
Erst mit dem vorgelegten Bebauungsplan schafft die Stadt Bayreuth durchgehend regelkonforme Gehwegflächen im Plangebiet mit einer Regelbreite von mindestens 2,50 m. Durch die Reduzierung auf eine Fahrbahn verringert sich auch die zu überwindende Barriere aus zwei schnell befahrenen Fahrstreifen auf einen. Dadurch wird die Querung der Fahrbahn z.B. an der Reformierten Kirche oder am Stadtfriedhof deutlich sicherer. Eine weitere Verbesserung wäre eine Reduzierung auf Tempo 30 km/h im Bereich der Kirche bzw. Kindertagesstätte, was aber laut Stadt Bayreuth nicht so einfach möglich ist. Durch die breiteren Gehwege profitieren insbesondere Familien mit Kinderwägen oder Menschen im Rollstuhl. Ungefähr 60 % der Anliegerinnen und Anlieger im Quartier sind ältere Menschen. Sichere und barriereärmere Möglichkeiten zur Straßenquerung sind dringend notwendig. Aber auch Autofahrerinnen und -fahrer können sicherer und bequemer vom Parkplatz zu ihren Zielen im Quartier gelangen.
8.) Anlage sicherer und zeitgemäßer Radverkehrsanlagen
Die im Bebauungsplan vorgeschlagenen Radverkehrsanlagen in der Erlanger und der Bismarckstraße sorgen für eine deutliche Verbesserung der Erreichbarkeit des Quartiers zwischen den großen Straßen (z.B. Rupprecht-, Oswald-Merz- und Humboldtstraße) sowie der umliegenden Quartiere mit dem Fahrrad. Durch die Ertüchtigung der bestehenden stadteinwärtigen (d.h. mit der Einbahnrichtung verlaufenden) Radverkehrsanlage in der Bismarckstraße entspricht diese in Breite und Ausführung den Regelwerken. Mit dem Neubau stadtauswärtiger Radverkehrsanlagen sowohl in der Bismarckstraße (d. h. entgegen der Einbahnrichtung) als auch in der Erlanger Straße (mit der Einbahnrichtung) wird das Wohnquartier erstmals regelkonform ohne verbotenes Gehsteigradeln mit dem Fahrrad aus Richtung Innenstadt erreichbar.
9.) Klimaschutz und Klimaanpassung
Das Gesamtpaket Erlanger & Bismarckstraße stellt auch einen ersten wichtigen Meilenstein der Bayreuther Bemühungen hinsichtlich Klimaschutz und Klimaanpassung dar. Im Bezugsjahr 2019 betrug der Anteil des Verkehrs am Gesamtenergieverbrauch der Stadt Bayreuth ca. 24 %. (Klimaschutzkonzept der Stadt Bayreuth, 2022). Die Stadt Bayreuth und der Freistaat Bayern möchten im Jahr 2040 klimaneutral werden. Als Maßnahmen im Verkehrssektor setzt das Klimaschutzkonzept der Stadt Bayreuth bis zum Jahr 2030 an mindestens fünf Haupteinfallstraßen sichere Radverkehrsanlagen sowie den Bau von drei Mobilitätsstation (Umsteigen auf ÖPNV und Fahrrad) voraus. Mit dem Umbau von Erlanger und Bismarckstraße wird hier ein erster wichtiger Meilenstein gesetzt.
Trotz aller Klimaschutzbemühungen wird der menschengemachte Klimawandel selbst bei annähernder Einhaltung der sogenannten 1,5°-Grenze erhebliche Auswirkungen auf unsere Städte haben. Zusätzliche Grünstreifen und Baumpflanzungen tragen zur Luftverbesserung bei und haben eine positive Wirkung auf das Mikroklima des öffentlichen Raums. Durch die Klimakrise werden extreme Wetterereignisse wie Hitzetage deutlich häufiger auftreten. Zusätzliche Stadtbäume mildern diese Effekte u.a. durch ihre Schattenwirkung ab.
